1909

König:

Fritz  (I.) Thias

Als im Jahre 1909 das Deutsche Reich in höchster wirtschaftlicher Blüte stand, bildeten sich in allen deutschen Gauen Schützenvereine. Auch in der Gemeinde Aschen schlossen sich 20 Leute zusammen und gründeten unseren Schützenverein. Fritz Brinkmann-Schollhof fertigte einen kleinen Adler an. Dieser wurde am zweiten Sonntag im September mit einem 9 mm Tesching Stück für Stück seines Schmuckes beraubt. Das letzte Stück schoss Schützenbruder Fritz Thias, Schollhof, ab und wurde als König Fritz I. ausgerufen. Unter Vorantritt seiner Zieharmonika-Kapelle marschierte man zum Hause des Schützenbruders August Offer, Gräfenwiese. Die geräumige Deele konnte die Teilnehmer kaum fassen. Lustig wurde das Tanzbein geschwungen, und nach einem Fass Königsbier, etlichen Litern "Roterts Kraftkorn" und einer vom König gestifteten Kiste Zigarren vergingen die Stunden viel zu schnell. Aber man stellte fest, dass die Gründung des Schützenvereins Aschen kein Fehlgriff und die Zukunft des Vereins gesichert war. Man beschloss, für Anfang November eine Versammlung anzuberaumen. Als Vereinslokal wurde die Wirtschaft Adolf Strätger, Dissen, gewählt.

 

Zu dieser ersten Vereinsversammlung am 28. Oktober 1909 stand auf der Tagesordnung "Wahl des Vorstandes" und "Aufnahme neuer Mitglieder".

Folgende Schützenbrüder wurden in Vorstand gewählt:

1. Vorsitzender: Fritz Offer, Gräfenwiese,

2. Vorsitzender: Wilhelm Pauge, Aschen,

Schriftführer Wilhelm Thias, Schollhof,

Kassierer: Fritz Thias, Schollhof,

Beisitzer: Heinrich Knehans, Dahausen, August Baumann, Dahausen und Hermann Hampe, Dissen.

 

Die Versammlung war überaus gut besucht. Es meldeten sich 34 neue Mitglieder. Somit stieg die Mitgliederzahl schon auf 54. Sodann wurde beschlossen, am 12. Februar 1910 den ersten Schützenball zu feiern, und zwar wieder auf Offers Deele.

Die Musik lieferte Wilhelm Klocke, Westbarthausen, die Wirtschaft Adolf Strätger, Dissen. Auch dieser Ball bewies die Zugkraft des neuen Vereins, denn die Mitgliederzahl stieg auf 69. Davon den Schützen viele soeben vom Militär entlassen waren, wurde ernstlich die Frage erörtert, einen Schießstand anzulegen. Dieses war für den jungen Verein ein überaus schwieriges Problem, zumal noch kein Geld in der Kasse vorhanden und zudem kein billiger Platz zu haben war. Aber, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Man einigte sich nach vielem hin und her, die Wiese von Herrn August Offer zu pachten. Diese war umrankt von sieben Räutekuhlen (Wasserlöcher, in denen früher der Flachs gerottet wurde). Vier Schützenbrüder erklärten sich bereit dem Verein je 100 M zu 4% Zinsen zu leihen. Nun ging ein emsiges Arbeiten los, denn am 17. Juli 1910 sollte Schützenfest gefeiert werden. Bis dahin musste der Scheibenstand fertig sein. Aber durch die Anlage des Standes erwies sich der noch verbleibende Platz als zu klein. So musste man an die überaus schwierige Aufgabe gehen, die Räutekuhlen zuzufüllen. Jedes greifbare Füllmaterial wurde willkommen geheißen. Hunderte von Fudern rollten heran. Alles wurde unentgeltlich geleistet. Bei diesen Arbeiten sind Sachen geleistet worden, die auf keine Kuhhaut gehen. Unter anderem hat mancher ein kühles Schlammbad nehmen müssen. Hieran war wohl der Pendelverkehr zwischen dem Schützenplatz und der Brennerei H. Rotart schuld, denn Roterts Kraftkorn ist in rauhen Mengen mit dabei gewesen.

Nun, da der Schießstand seiner Vollendung entgegen ging, wurde auf der Versammlung am 5. Mai 1910 beschlossen, vier neue Gewehre Modell 71 anzuschaffen. Zur Vorfeier sollte auf Roterts Hof, zum Schützenfest selbst auf Meyer zu Drewers Hof angetreten werden. Fritz Brinkmann, Schollhof, liefert den Adler umsonst.